Umkehr bei Frommen

Von Hans Joachim Baumann

„Ist das überhaupt notwendig“ fragen Sie sich jetzt wohl? Wir sind doch schon lange umgekehrt, wir sind doch auf dem Weg, wir sind doch der Berufung Gottes gefolgt, wir haben doch geantwortet, sonst würden wir doch nicht zum EGVPFALZ gehören, sonst würden wir doch kein „Gemeinschaft unterwegs“ lesen.
Der Monatsspruch für diesen Monat, der ja immer die Grundlage zum Impuls und der Auslegung bildet, steht in Hosea 12,7 und heißt:
„So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!“
Was war geschehen, dass Hosea so zu und mit seinem Volk reden muss?
Es war eine wilde Zeit, in der das Volk Israel zu Zeiten Hoseas lebt. Politisch geht es drunter und drüber. Die Amtszeiten der regierenden Könige werden „künstlich“ verkürzt, manche waren mal ein halbes Jahr im Amt, andere gerade mal einen Monat, bevor sie der Nachfolger ermorden ließ – es lohnt sich, diese Geschichte einmal nachzulesen. Sie ist wirklich sehr „kurzweilig“.
Geistlich ging es ebenfalls sehr heftig zu. Abhängigkeiten zu anderen Völkern werden geschmiedet. Das Volk Israel, bzw. dessen Führungen wechselten die Seiten, von denen sie sich Hilfe erwartet, wie andere die Wäsche wechseln. Instabilität auf allen Ebenen war die logische Folge.
Man hat sich dem Fruchtbarkeitsgott zugewandt – die Folge war religiös verbrämte Hurerei. Junge Frauen opferten ihre Unschuld im Tempel dem Fruchtbarkeitgott, um so von Baal die Fruchtbarkeit für ihre künftige Ehe zu erlangen.
In dieser Zeit lebt und wirkt Hosea. Gott beauftragt ihn nun, eine Frau zu heiraten, die die Bibel als Hure bezeichnet. Darunter ist wohl ein israeltisches Mädchen zu verstehen, das nach dem oben beschriebenen Brauch sich am Tempel Priestern oder Fremden hingegeben hat, um so ihre Fruchtbarkeit zu zeigen. Sie bildet eben das geistliche Leben in Israel ab.
Mit ihr zeugt er drei Kinder, deren Namen von Gott vorgegeben werden. „Jesreel“ ist der Name des ersten Sohnes und nimmt Bezug auf die Blutschuld im Hause. Er hat die Bedeutung „Der Herr zerstreut“. Danach kommt eine Tochter zur Welt, die den Namen „Lo Ruhama“ tragen muss, was in der Übersetzung heißt: „Nichtbegnadigte“. Der nächste Sohn heißt „Lo Ammi“ – „nicht mein Volk“.
Man stelle sich diese Belastung für einen Propheten vor, der seine Kinder zum Essen rufen muss.
Zu allem Überfluss läuft dann auch noch Gomer, seine Frau aus der Ehe fort und Hosea muss sie aus der Sklaverei freikaufen und wieder um sie buhlen.
Gott mutet diesem Mann schon allerhand zu.
Hosea sieht überall Treulosigkeit und Vergehen an seinem Gott, sei es im Gottesdienst, sei es in der „Berufung“ der Führungsschicht, oder sei es in der Außenpolitik, in der man sich mehr auf die Macht der Mächtigen verlässt als auf seinen Gott.
Ich glaube, dass es kaum einen anderen Propheten gibt, der uns so vor dem Zorn Gottes erschrecken lässt, wie Hosea.
Aber bei allem Erschrecken über diesen Zorn Gottes ist Hosea immer auch derjenige, der die Möglichkeit der Buße und Umkehr zu diesem Gott in den Blick nimmt.
Umkehr bei Frommen – so ist der Titel für diesen Monat vorgegeben.
„Aber so wild geht es doch bei uns nicht zu“ denken Sie jetzt – wirklich nicht?
Wie viel Ratlosigkeit schlägt mir entgegen, wenn ich mich mit Menschen auf der Straße unterhalte. Warum sind denn gerade im Augenblick die Talkshows mit den Themen der Zeit so besetzt? Warum haben denn die Politiker jeglicher Couleur so wenig bis keine Antworten auf die Fragen der Zeit? Warum ist die Gier nach allem schon wieder eingekehrt, wo sich doch alle vorgenommen hatten, eben dieser zu widerstehen? Ich könnte die Reihe der „Warum-Fragen“ fortsetzen – Sie sicher auch.
Hosea will uns heute eine Antwort geben, wie wir sie vielleicht nicht erwartet hätten.
Kehrt um, ihr Frommen!
Es gibt ein Lied in unserem Gemeinschaftsliederbuch, das uns den Weg weisen kann und will. Es steht unter der Nummer 364 und wurde von Diethelm Strauch 1979 geschrieben:

1: Seid fröhlich, ihr Christen, hört auf, immerfort zu klagen!
Wenn ihr keinen Grund zur Freude habt, wer hat ihn dann?
Denn Gott ist durch Jesus unser Vater geworden, und er weiß, was wir brauchen, und gibt es uns gern.
Selbst große Schwierigkeiten sind Zeichen der Liebe Gottes.
Fangt an, wieder neu zu danken, und preist euren Herrn!

2: Seid freundlich, ihr Christen, hört auf, immerfort zu schimpfen.
Wenn ihr euch nicht mehr vertragen könnt, wer kann es dann?
Denn Gott hat durch Jesus unser Leben verändert und hat uns seine Liebe ins Herz eingebrannt.
Die Liebe lässt erkennen, dass wir unserm Gott gehören.
Fangt an, wieder neu zu lieben, und helft jedem gern!

3: Seid mutig, ihr Christen, hört auf, ständig euch zu sorgen.
Wenn ihr keinen Mut zum Leben habt, wer hat ihn dann?
Denn Gott will durch Jesus unser Leben bewahren und keine Probleme sind größer als er. Lasst euch nicht länger lähmen durch Angst, Sorgen oder Zweifel.
Fangt an, neuen Mut zu fassen, vertraut eurem Herrn!

Hosea wagt in unserem Text den Blick in den Rückspiegel in die Geschichte Israels und zeigt uns an der Gestalt Jakobs einiges auf.
An seinem Leben lässt sich verfolgen, wie Umkehr möglich ist, ja dass sie überhaupt möglich ist, egal, wie verfahren die Situation auch zu sein scheint.
Der Kampf Jakobs ging schon im Mutterleib los und hat sich wie ein roter Faden durch sein Leben durchgezogen. Erkauf der Erstgeburt, dann mit der Hilfe der Mutter das Erschleichen des Erstgeburtssegens. Nach dem er dann am eigenen Leib verspüren muss, wie es ist, betrogen zu werden, hat er auch keinen Skrupel, seinen Schwiegervater mit seinen Ränken hinters Licht zu führen. Wieder ist er auf der Flucht, weil sein eigenes Leben ihn einholt. Als er hört, dass sein Bruder ihm mit 400 Mann entgegen zieht, ringt er mit Gott, den er dann nicht mehr loslässt, bis dieser ihn segnet.
Er weint und fleht um Gnade. Darauf kommt es also an. Wenn denn Israel als Volk schon im Bösen seinem Stammvater Jakob gleicht, so Hosea, dann soll es doch auch im Guten ihm nachfolgen. Buße tun und um Gnade flehen, das ist der Weg, der zurück zu Gott führt.
Hosea zeigt am Stammvater Israels die Möglichkeiten des Schuldigwerdens auf, aber auch die Rückkehr zu Gott.
Umkehr der Frommen heißt dann, dass Gott uns neu gefunden hat. So steht vor unserem Monatsspruch der wichtige Satz: „In Beth-El fand ihn Gott.“
Somit ist dieser schwierige Text ein durchaus seelsorgerlicher Text, der uns wirklich zur Umkehr auffordert und Wege aufzeigt, wie Umkehr möglich wird.
Somit wird die Beschreibung eines neuen Lebens mit frohem Mut in dem oben zitierten Lied aufgenommen – wenn jemand Perspektive für das Leben hat, dann sind es die Frommen.
Wir werden aufgefordert, umzukehren – in unserem Denken und Handeln, lassen wir uns neu von ihm finden.
Ps: Die Folge dieses gefunden worden seins in Jakobs Leben ist die Aussöhnung mit seinem Bruder Esau.
Die Folge der Buße Israels ist die Zusage Gottes: „Ich will ihren Abfall heilen, … ich will sie wieder in freier Gnade lieben, … sie sollen blühen wie die Lilie und Wurzeln schlagen wie die Zedern des Libanons.“
Ich freue mich auf diese Erfahrungen im EGVPfalz.
Herzliche Segenswünsche
Ihr Hans Joachim Baumann

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